The Decline of British Sea Pow
von British Sea Power

Rezensionen:
Geoff Travis hat eine gute Nase. Der Brite öffnete 1976 in London einen Plattenladen namens Rough Trade, später folgte das gleichnamige Label. Bis zu dessen Pleite 1991 waren dort bahnbrechende Scheiben (Smiths, Pere Ubu) erschienen. Der Start ins zweite Leben des reaktivierten Labels war fulminant: The Strokes, Hope Sandoval, Libertines, Moldy Peaches und nun British Sea Power.

Entdeckt hat Travis das Quartett in einem Veranstaltungsort in Brighton, wo die Youngster Noble, Wood, Hamilton und sein Bruder Yan ihren Club Sea Power einmal im Monat betreiben. Der Plattenvertrag war schnell ausgehandelt. Die Band wurde zur Aufbauarbeit mit den Flaming Lips, Pulp, Interpol oder The Clinic auf Tour geschickt, und drei nach und nach veröffentlichte Singles (Remerber MeThe Spirit Of St. LouisundChildhood Memories) ließen die Fanbase stetig ansteigen. Kein Wunder, live sind sie in ihren Uniformen und ausgestopften Vögeln als Dekoration ein Erlebnis.

Nun legen die Jungs aus dem Seebad mitThe Decline Of British Sea Powerein bemerkenswertes, packendes und aufregendes Debüt vor. In England wurden sie schon lange als das "next big thing" gehandelt,The Guardianschrieb über sie, dass British Sea Power in einem Jahr mehr gute Ideen als viele andere Bands in ihrem ganzen Leben hätten. Dieses Album steckt tatsächlich voll von ihnen. Das Quartett nimmt den Faden auf, den Joy Division, The Sound, My Bloody Valentine und insbesondere Echo & The Bunnymen fallen gelassen haben. Nicht, dass sie daraus eine Kopie stricken, sie kreieren etwas Neues. "Da ist zwar viel Spaß in unserer Musik, aber es ist keine lustige Musik", sagt Yan.

Unglaublich erwachsen schütteln die Twens Melodien aus dem Ärmel, lassen die Gitarren mal aufbegehren, mal schmachten. Sie können roh und im nächsten Augenblick zart klingen, sie können sich kurz halten wie in dem 40-sekündigen "Men Together Today" oder mit dem 14-minütigen "Lately" ein episches Monstrum von großer Traurigkeit errichten. Maßgeblich unterstützt wurden sie im Studio dabei von Mads Bjerke, der schon mit Primal Scream, Spiritualized oder Kevin Shields arbeitete.

Manchmal scheint es, als leben British Sea Power in ihrer eigenen Welt. Was nicht verhindern konnte, dass Jarvis Cocker oder Douglas Coupland zu ihren Fans gehören -- Millionen werden folgen. Behaupten wir hier jetzt einfach mal so.--Sven Niechziol

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